Berlin - Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) hat vor einer «Wegwerfgesellschaft» gewarnt. Sie appellierte an die Bundesbürger, bewusster mit Nahrung umzugehen. Der Deutschen Presse- Agentur dpa sagte sie am Mittwoch: «Mehrere Millionen Tonnen Lebensmittel landen ungenutzt im Abfall, etwa die Hälfte dieses Mülls kommt aus Privathaushalten.» Vor dem Start der Grünen Woche in Berlin wies Aigner darauf hin, dass jedes Jahr bundesweit Nahrungsmittel im Wert eines zweistelligen Millionenbetrags in den Müll wanderten. «Wir sollten bewusster genießen, uns bewusster ernähren und auch bewusster einkaufen.»
Aigner verwies auf die Folgen der Wegwerfmentalität. «Wir können uns das nicht leisten», sagte sie. «Angesichts des Hungers auf der Welt, angesichts der Preise für Nahrungsmittel und angesichts der bei der Produktion unvermeidlichen Emissionen muss in der Wegwerfgesellschaft ein Umdenken einsetzen.»
Die Verbraucherministerin rechnet mit steigenden Preisen zugunsten der Bauern. «Gegenwärtig ziehen die Erzeugerpreise für viele Agrarprodukte an, nicht nur bei Milch», sagte Aigner. «Ich hoffe, dass sich die Lage weiter stabilisiert.» Sie beobachte mit Besorgnis den harten Wettbewerb zwischen den großen Discountern. Darunter litten die Bauern immer stärker. «Wenn nur noch der Preis entscheidet, geht das irgendwann zulasten der Qualität und damit letztlich zulasten der Verbraucher.»
Aigner kündigte ein Aktionspaket für mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft an. «Auf dem internationalen Agrarministergipfel in Berlin werden wir darüber beraten, wie einzelne landwirtschaftliche Produkte möglichst klimaschonend hergestellt werden können», sagte sie. An diesem Samstag treffen sich Vertreter von über 50 Ländern.
Die Landwirtschaftsministerin sieht auch die Bauern in der Pflicht. «Der Ausstoß von Treibhausgasen lässt sich über gezielte Fütterung und über effiziente Bodentechniken regulieren. Im Glasbau kann man erneuerbare Energien zur Beheizung einsetzen», sagte sie. «Oft sind es auch kleine Details: Erhöht man den Reifendruck eines Traktors, lässt sich Sprit sparen.»
Aigner hält den Vorwurf für übertrieben, dass Kühe «Klimakiller» sind. «Man kann allerdings eine Kuh nicht wie einen Motor so herunterregeln, dass sie kein Methan mehr ausstößt», sagte sie. «Die Landwirte haben in den letzten Jahren bereits erhebliche Mengen an Treibhausgasen eingespart seit 1990 rund 5 Millionen Tonnen Methan und 4 Millionen Tonnen Lachgas.» Pro Jahr leisteten die Bauern einen Beitrag zur Senkung von Kohlendioxid (CO2) von rund 45 Millionen Tonnen.
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