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Abspecken für das Klima? - Streitobjekt Fleisch (14.01.2010)

Berlin - Abspecken für das Klima? Die Frage nach negativen Folgen des Fleischverzehrs für das Klima hat einen Streit zwischen Wirtschaft sowie Umwelt- und Verbraucherschützern ausgelöst. In die Kritik ist nicht nur die Massenhaltung von Rindern geraten, die das Treibhausgas Methan abgeben, sondern das gesamte Produktionsverfahren bei Fleisch.

Spiessbraten Quelle: Pixelio Autor: siepmannHLandwirte und Industrie wenden sich gegen Pauschalverurteilungen und verweisen auf ihre Bemühungen zur Senkung der Treibhausgase. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner weist den Vorwurf zurück, Kühe seien «Klimakiller».

Der Anteil der deutschen Land- und Forstwirtschaft am Ausstoß klimaschädlicher Gase liegt nach seinen Angaben bei rund 6 Prozent. Die Grünen-Fraktion beruft sich auf eine Antwort des Agrarministeriums, in der von 11 bis 15 Prozent Anteil der Landwirtschaft an den deutschen Treibhausgasemissionen die Rede sei. Sonnleitner betont, die Agrarbranche sei die einzige, die klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) binde und für Sauerstoff sorge. «Wir konnten seit 1990 die Emissionen um 17 Prozent verringern, vor allem an Methan und Lachgas.»

Die Verbraucherzentralen halten weniger Fleischkonsum für sinnvoll - vor allem für Männer. Sie sollten pro Jahr höchstens 25 bis 30 Kilogramm Fleisch statt rund 60 Kilogramm essen, sagt der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Gerd Billen. Das hält nach seiner Ansicht fit und dient auch noch dem Klimaschutz.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert, die Herstellung von Fleisch und anderen Tierprodukten mache den größten Anteil an der Erzeugung klimaschädlicher Gase aus. Weltweit trägt die Viehwirtschaft nach Ansicht der Umweltschützer mit etwa einem Fünftel zum Klimawandel bei.

Die Ernährungswirtschaft hält eine völlig klimaneutrale Produktion allerdings nicht für realistisch. Mehr Lebensmittel müssten aber möglichst klimaschonend hergestellt werden, sagt die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie. Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) will es letztlich den Bundesbürgern überlassen, was sie essen. «An Verzichtsappellen beteilige ich mich nicht.» Sie fühlt sich falsch verstanden, weil sie in einem Interview auf die Ernährungspyramide der Deutschen Gesellschaft für Ernährung verwiesen, aber nicht zum Fleischverzicht aufgerufen hatte.

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn sagt: «Die Landwirtschaft trägt stärker zum Klimawandel bei, als Ministerin Aigner das wahr haben will. Auch der Fleischkonsum muss auf dem Prüfstand stehen. Wir sollten uns wieder auf den Sonntagsbraten freuen.» Die Fraktion fordert mehr Klima-Auflagen für Bauern. Fast die Hälfte der Bundesbürger glaubt, es würde ihnen leicht fallen, die Ernährung zugunsten des Klimaschutzes umzustellen, geht aus einer Prognos-Umfrage für die Verbraucherzentralen unter knapp 3300 Bürgern hervor. Allerdings geht nur knapp die Hälfte davon aus, dass sie mit dem Essen überhaupt wirkungsvoll zum Klimaschutz beitragen können.

Aigner sieht auch die Bauern in der Pflicht für mehr Klimaschutz. Ein Agrarministergipfel am Samstag soll den Startschuss für eine weltweite Initiative geben. Ganz klimaneutral kann die Landwirtschaft nach ihrer Ansicht aber gar nicht werden. «Man kann allerdings eine Kuh nicht wie einen Motor so herunterregeln, dass sie kein Methan mehr ausstößt.»


Von Marc-Oliver von Riegen und Thorsten Gehrke, dpa


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